Wieso DRK?
Wieso DRK, wieso ein Pseudonym?
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| In Zeiten von Corona |
Wenn jemand Krchpfrrchpfrz heißt, ist er wohl leicht zu identifizieren und braucht ein Pseudonym, denn wer will schon so heißen? Da klingt René de Clavigny schon wesentlich besser, auch wenn es über den Charakter der Person wenig aussagt und der wahre und zweifellos unverwechselbare Name mehr über die Person verrät, als ihr lieb ist.
Pseudonyme dienen dazu, die wahre Persönlichkeit hinter einem Schutzschirm der Anonymität zu verstecken. Nun, unser pseudonymisierter Zeitgenosse René de Clavigny ist Liebhabern der guten Literatur längstens aus der Geschichte H. C. Artmann's mit dem Titel "Flieger, grüss mir die Sonne" bekannt.
Auch das lächerliche Versteckspiel eines ziemlich aufgeblasenen Literaten und Geheimrats ist uns bekannt: Johann Philipp Möller, Maler, oder besser noch: Filippo Miller, Tedesco, Pittore. Den kannte nun in Italien, wo er seinen Auftritt hatte, bestimmt niemand. Lud er sich jedoch selbst in die Salons des entsprechenden Milieus eib, erkannte ihn jeder, musste aber trotzdem so tun, als ob man nicht wüsste, das es ER, Goethe himself, war. Das Pseudonym diente hier nicht zum Schutz der Person, sondern war pure Eitelkeit.
Es gibt noch einen anderen Grund, ein Pseudonym zu wählen, nämlich dann, wenn man will, dass man identifiziert werden soll. Wie das? Nun, wer Mayer, Müller oder sonst einen Allerweltsnamen hat, ist nicht eindeutig identifizierbar. Es gibt einfach zu viele dieses Namens. Da nützt es auch nichts, sich die abenteuerlichsten Schreibweisen zuzulegen oder eine ganze Kette von Vornamen umzugängen. Man wird sich immer fragen, ist das jetzt der oder der Mueler, Mueller, Müller usw. Mit Maier usw wird es noch schlimmer. Wer hier nicht im Meer der Namensgleichen versinken will, braucht ein Pseudonym, um aus den Fluten der Anonymität emporzutauchen.
Und was sollte ich da jetzt tun? Jahrelang bekam ich aufgrund meines Vor- und Nachnamens zahllose Zuschriften, E-Mails, Anfragen und sogar Ehrungen zugeschickt, man bedankte sich für Vorträge, die ich gehalten haben sollte. Es war eine ziemliche Arbeit, meine Namens-Doppelgänger auszuforschen und ihnen ihre Post weiterzuleiten. Einer dieser Doppelgänger kam noch dazu aus dem selben Kreisen, der selben Stadt und sah mir - zumindest damals - anscheinend ähnlich. Das Amüsement war nicht unbedingt auf meiner Seite, als in einer Lokalzeitung ein Bild mit "mir" und "meinem Kind" in der Badewanne erschien. Da stimmte scheinbar alles: der Name, der Vorname und der Name des Kindes, das etwas einfallslos den gleichen Vornamen wie sein leiblicher Vaters trug.
Wie jeder vernünftige Mensch bin auch ich eitel und sehe gerne, wenn man mich zitiert. Da ich auch bei Academia.edu bin, einem peer-review-ten Dokumentenserver, bekomme ich des öfteren Hinweise, dass ich in diversen Fachartikel zitiert werde. In vielen Fällen stimmt das, aber dass ich auch in Beiträgen zitiert werde, die irgendwo in China, Japan oder auf Trinidad und Tobago erschienen sind, würde mich nur dann moralisch aufbauen, wenn ich nicht genau wüsste, dass damit wohl nur einer meiner Namensvetter gemeint sein kann. Irgendwie beneide ich Leute, die in so einem Fall sich widerspruchslos dem Selbstbetrug hingeben.
Auch die Suchmaschinen, allen voran dem Datensammler Google, listen mir haufenweise Berühmtheiten auf, die namensgleich sind. Will ich also irgendwie als Individuum in Erscheinung treten, brauche ich ein Pseudonym. Meines stammt aus der Abkürzung, die mir bei der Installation eines Textverarbeitungsprogramm automatisch verpasst wurde. Das DRK auch die Abkürzung für das Deutsche Rote Kreuz ist, kann ich verkraften.
(Geschrieben mit der Android-App auf dem Tablet, nachbearbeitet via Browser, ebenda.)

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