Kirchenbaukunst der Gotik in Oberösterreich


Kirchenbaukunst der Gotik in Oberösterreich

Bauhütten und Bauorganisation

Die Grundrißvisierungen des Chores der Stadtpfarrkirche von Steyr

Die Akademie der bildenden Künste in Wien verwahrt rund zwölf gotische Originalrisse, welche von der Forschung mit der Planung und Ausführung des Chores der Stadtpfarrkirche von Steyr (begonnen 1443 durch Hans Puchspaum) in Verbindung gebracht wurden. Sie stammen vermutlich aus dem Nachlaß des Neugotikers Hans Jäger. Das Steyr zugeordnete Konvolut umfaßt drei Chorgrundrisse, zwei Pläne zum Lettner und mehrere Varianten zum Sakramentshaus und der dreiteiligen Sessionsnische. Sämtliche Visierungen weichen in Details von der Ausführung ab, stellen also Planungsskizzen oder wieder verworfene Varianten dar. Einige der zugeschriebenen Visierungen wurden nach jüngsten Forschungen (Rudolf Koch, Hans Böker) als nicht zu Steyr gehörig angesehen. Ein Teil der Pläne ist mit Tusche auf Pergament gezeichnet, teilweise jedoch auf Papier und weist Gebrauchsspuren auf, was auf eine Verwendung direkt im Hüttenbetrieb schließen läßt. Die eindeutig mit Steyr in Verbindung zu bringenden Visierungen wurden bisher Hans Puchspaum oder seiner Werkstatt zugeschrieben. Den Forschungen Hans Bökers nach, wären jedoch sämtliche Pläne erst der Zeit des auf Puchspaum folgenden Wiener Dombaumeisters Laurenz Spenning zuzuordnen. Böker datiert diese Pläne daher in die Zeit um 1470, wobei er sich im Falle der Steyrer Chorgrundrisse unter anderem auf die schon in der älteren Forschung festgestellten Unsicherheiten in der Gewölbekonstruktion beruft. Diese Abweichungen wären nach Böker Beleg für eine wesentliche Umplanung des Puchspaumschen Erstentwurfs durch Spenning. Gerade diese Abweichungen der Pläne von der, auch von Böker akzeptierten, tatsächlichen Ausführung der Gewölbe um 1470 spricht jedoch eindeutig gegen eine Entstehung der Chorpläne unter Spenning, da der zu diesem Zeitpunkt bereits im Bau befindliche Nordturm auf keinem der Pläne aufscheint. Das Fehlen gewisser Details an der Nordwand (Treppenturm, Fenster) und im Bereich des südwestlichen Jochs belegt weiters, daß die drei Grundrißpläne sich nicht an den bereits unter Puchspaum begonnenen Umfassungsmauern orientieren, daher keine Bestandsaufnahme sein können, in der Laurenz Spenning bloß Varianten für eine neue Wölbung und den Lettner probierte. Vielmehr dokumentieren die Visierungen Planvarianten vor oder unmittelbar während des Chorbaus, wie bereits an anderer Stelle (R. Koch 1993) dargelegt wurde. Die Baurisse für den Chor von Steyr sind somit weiterhin plausibel der Zeit Puchspaums zuzuschreiben.

Originalvisierungen, um 1443 (sic!)

Koepf Kat. 237
Tusche auf Papier, 54,5 x 74,5 cm, Wien, Akademie der bildenden Künste, Kupferstichkabinett, Inv. Nr. 17052 (= Koepf Kat. 237)

Alternative Pläne:
Koepf Kat. 75 R
Tusche auf Pergament, 16890 R, 55 x 75,3 cm (= Koepf Kat. 75 R)

Koepf Kat. 214
Tusche auf Papier, 43 x 69 cm (fragmentiert), Inv. Nr. 17029 (= Koepf Kat. 214)

Der ausgestellte Plan zeigt den Chorgrundriß mit den für die Wiener Bauhütte (Langhaus St. Stephan) typischen Bündelpfeilern und kräftig ausgebildeten, schifftrennenden Scheidrippenprofilen. Die beiden Pfeiler gegen das um 1443 noch bestehende romanische Langhaus sind kräftiger ausgeführt, davor nimmt ein Hallenlettner mit verspringender Dreistrahlfiguration die gesamte Chorbreite ein. Während das Mittelschiffsgewölbe der Ausführung entspricht, sind die Seitenschiffjoche mit vierteiligen Knickrippensternen gewölbt. Die Jochgrenzen sind im Sinne einer Jochverschleifung in monumentalen Bogenrippen, welche Bogenquadrate bilden, aufgelöst. Das nordwestliche Chorjoch wurde leer belassen. Hier entstand um 1470 der einspringende polygonale Turm. Die Langhauspfeiler sind nur angedeutet, was darauf schließen läßt, daß zu Puchspaums Zeiten bloß der Chorbau beschlossen war, man jedoch bereits an eine Fortführung als dreischiffige Anlage nach dem Vorbild der Chorarchitektur dachte.

Lit.: Koepf 1969, S. 51 und Katalog Nr. 237. Koch 1993, S. 27 - 36. Böker 2001, insbesondere S. 27.

Steinmetzbruderschaften und das Bauhüttenbuch von Admont

Das sogenannte "Admonter Hüttenbuch" befand sich - bis zu seiner jetzigen Verwahrung im Steiermärkischen Landesarchiv - in der Zunftlade der Admonter Maurerinnung. Neben der Abschrift der "Ordnung der deutschen Pallier und Mauerergesellen ...", der "Ordnung der deutschen Diner oder LeerJunger ..." enthält das Hüttenbuch noch ein "Register der deutschen Maistern des Mauerwerchs Handwerchs" und einen Nachtrag zum Maurergesellen-Register von 1646. Ab 1590 bis 1672 wurde das Buch von der Admonter Maurerinnung weitergeführt.
Sogenanntes "Admonter Hüttenbuch"
 Das Titelblatt zeigt oben in einem roten Schild einen aus einer blauen Wolke hervorragenden geharnischten rechten Arm, der eine "Fläche" bzw. Steinhacke hält. Dieses Steinmetzwerkzeug weist die für die Spätgotik typische schmale Form als "Doppelfläche" auf. Die Beziehung zur Wiener Bauhütte ergibt sich aus dem ähnlichen Wappen am Siegel der bürgerlichen Steinmetzen und Maurer von St. Stephan. Hier hält der geharnischte Arm eine Spitzfläche. Das unter dem Admonter Wappen befindliche Schriftband weist den knapp 100 Seiten umfassenden Band als "der Stainmeczn zw Admud Pruederschaft" Buch aus.

Ein weiterer Schild trägt das Steinmetzzeichen des "Wolfganng Denck" und die Jahreszahl 1480. Meisterschild und Bruderschaftswappen wiederholen sich auf dem in der Steyrer Stadtpfarrkirche befindlichen Grabstein, der neben dem 1513 verstorbenen Meister und einem Schildhalter die Vier Gekrönten und den Gekreuzigten zeigt.

Von 1497 bis 1523 wurden von einem Schreiber vermutlich fortlaufend die in die Admonter Bruderschaft eingetretenen Steinmetzen eingetragen, die hinter ihren Namen jeweils ihr Steinmetzzeichen vermerkten. Die Aufnahme erfolgte jeweils zu den Pfingstfeiertagen, wobei zwischen Steinmetzgesellen und Meistern unterschieden wird. In der Regel werden nur Vor- und Zuname genannt, in einigen Fällen sogar eine Ortsbezeichnung: 1506 Mert von Rayn (Rein), 1509 Thaman Pramer von der Freinstadt (Freistadt), Meister Wolfgang Wunderlich zu Rottnmann (Rottenmann), 1516 Steffan Wultinger von Vegklenmargk (Vöcklamarkt), Pangrätz Heller von Schläming und Hans Puchler von Schlänyng (Schleining), 1517 Wolfgang Fugs von Spital (Spital), Lennhardt Märel (?) zu Rottenmann, 1521 Meister Sigmund Hentzinger im Beyer (?).

Unter den somit vorwiegend steirischen Steinmetzen und Meistern finden sich im Bruderschaftsbuch drei in Oberösterreich tätige Gesellen und Meister. An prominenter Stelle der Admonter Hütte ist der Meister von Steyr, Wolfgang Tenk (1480), genannt, dann Thaman Pramer (1509), der vermutlich als Geselle mit dem Stadtmeister Mathes Klayndl am Bau der Freistädter Pfarrkirche beteiligt war, und schließlich Stephan Wultinger (1516), dessen angebliches Oeuvre ausgehend von Vöcklamarkt einen Großteil der Attergauer Kirchen umfassen sollte, was sich allerdings letztlich als nicht haltbar erwies.

Lit.: A. Luschin v. Ebengreuth 1894, S. 168 - 171, 227 - 241.

Steinmetzzeichen (Abgüsse) und Faksimile der Eintragungen im Admonter Hüttenbuch

Gotikausstellung 2002: Vitrine mit Abgüssen von Steinmetzzeichen
 und Abriebzeichnungen, (Dokumentationsmethoden).
 Faksimile der "Wultinger"-Eintragung im sogenannten "Admonter Hüttenbuch".
Spätmittelalterliche Steinmetzzeichen sind Handwerkszeichen, ähnlich den Haus- und Hofmarken, welche den Steinmetzgesellen, in besonderen Fällen auch Lehrlingen, vom "Handwerck", das heißt von der Bauhütte oder der Steinmetzbruderschaft als persönliches Ehrenzeichen verliehen werden. Im engeren Sinn versteht man darunter das in das fertige Werkstück eingeschlagene Urheberzeichen. Aufgrund seiner einem Siegel gleichkommenden Bedeutung finden sich Steinmetzzeichen auch auf Verträgen, Urkunden oder wie im Falle des Admonter Bruderschaftsbuches zusammen mit dem Namen. Auch auf Plänen und Visierungen werden sie fallweise vermerkt. Eine Besonderheit stellen die Meisterzeichen dar, welche häufig in einem Schild eingeschrieben an prominenter Stelle, wie zum Beispiel im Gewölbe als Schlußstein, angebracht wurden.

Den Steinmetzzeichen ähnlich sind die Versatzmarken, welche in den Lager- oder Stoßfugen eingeschlagen oder mit Rötel eingezeichnet werden. Vereinzelt finden sich solche Versatzmarken auch in den Visierungen und Gewölbeplänen. Diese "Dadzeichen" sind meist einfacher gehalten als die Steinmetzzeichen oder bestehen aus Strichen und Zahlen.

Die Steinmetzzeichen setzten sich aus einfachen Grundfiguren zusammen (Winkel, Haken, Y-förmige Gabeln), welche durch Kombination eine unüberschaubare Zahl an Variationen ermöglichen. Diese Zeichen können durch den Versatz des Werkstückes verdreht werden, oder sie erscheinen in gespiegelter Form, sodaß nicht immer entschieden werden kann, ob es sich um das Zeichen einer Person handelt oder vielleicht um zusammengehörige Gruppen von Werkleuten. Überregionale Verbreitungsanalysen oder die Suche nach "Hüttenschlüssel", die der Zeichenbildung zugrunde liegen sollen, beschäftigten vor allem die ältere Forschung und haben sich als irrig erwiesen. Eine kritische Analyse der Zeichenfolgen an einem Bauwerk, die unter Berücksichtigung bauanalytischer und kunsthistorischer Aspekte durchgeführt wird, ist jedoch sehr wohl zielführend und ein leider viel zu wenig beachtetes Desideratum der Bauforschung.

Auch eine gewisse stilistische Entwicklung der Steinmetzzeichen ist festzustellen. "Epigraphisch" betrachtet zeigen die Zeichen der ausgehenden Gotik oft Serifen (punkt- oder trapezförmige Erweiterung der Strichenden) und eine Tendenz zu kurvigen Balkenformen. Die Größe kann ebenso als Unterscheidungskriterium herangezogen werden.

Lit.: Ulm 1975 a. Friederich 1932, S. 13 - 25.

Das Admonter Hüttenbuch

Admonter Hüttenbuch, Ausschnitt Folio 93. Abb. nach Buchowiecki.
Admonter Hüttenbuch, Ausschnitt mit der Eintragung zu Stefan Wultinger
Die Seite zeigt die Eintragungen der von 1516 bis 1517 in die Admonter Bruderschaft aufgenommenen Gesellen mit den Namen und Steinmetzzeichen, darunter die des Gesellen "Steffan Wultinger von Vegklenmargk". Die Aufnahme erfolgte jeweils zu Pfingsten.

Lit.: A. Luschin v. Ebengreuth 1894, S. 168 - 171, 227 - 241. Buchowiecki 1937. Ulm 1975 a. Ulm 1981.

Gipsabgüsse von Steinmetzzeichen

Konvolut aus dem Linzer Schlossmuseum

Steinmetzzeichen aus Bad Goisern. Abrieb.

Steinmetzzeichen aus Bad Goisern. zwei Gipsabgüsse.

Steinmetzzeichen aus Bad Goisern. Abrieb.
Der rechte Abguß (siehe vorige Abbildung) ist gegenüber dem Abrieb um 180 Grad gedreht (Problematik der originalen Lage von Steinmetzzeichen! Handelt es sich um 2 verschiedene Zeichen?)

Steinmetzzeichen vom Kirchentor in Bad Goisern (?)
 Steinmetzzeichen vom Kirchentor in Bad Goisern (?). Abrieb mit Lageangabe (3. und 12. Quader am linken Gewände).

Hallstatt, Steinmetzzeichen vom Kirchenportal
Sogenannte "Reinzeichnung" des gleichen (?) Zeichens wie in Bad Goisern, von einem Tor der Kirche in Hallstatt. Man beachte die unterschiedlichen Proportionen!

Das Konvolut wurde um 1952 angelegt und gelangte später an das Schloßmuseum Linz. Es umfaßt neben Gipsabgüssen Bleistiftabreibungen der Abgüsse und Umzeichnungen in Tusche sowie einfache Lageskizzen der Fundorte. Bei der Herstellung der Dokumentation werden die Zeichen zunächst mit Knetmasse ("Plastilin") abgeformt, davon wird ein Gipsabguß angefertigt. Die Abformung ist die genaueste Dokumentationsmethode mit dem höchsten Informationsgehalt, da sie auch die "Handschrift" des Steinmetz beim Einschlagen des Zeichens festhält. Irrtümer, welche durch Umzeichnung oder Generalisierung ("Schönen" der Zeichnung) entstehen und häufig Ursache für Spekulationen sind, können so ausgeschaltet werden.

Die Abgüsse stammen von Bauten in Hallstatt, Bad Goisern und St. Agatha.


Steinmetzwerkzeuge

Steinmetzwerkzeuge (19. Jh.)
Eisen, Holz, 19. Jahrhundert.
Sammlung Bundesdenkmalamt, Kartause Mauerbach,
Werkstätten Baudenkmalpflege 
Gotikausstellung 2002: Vitrine mit Steinmetzwerkzeugen und Typentafel der Werkzeugspuren nach Ulm und Friederich: Klüpfel, Spitzfläche, Zahneisen und Scharriereisen. Originalwerkzeuge des 19./20. Jahrhunderts, die aber technisch mittelalterlichen Originalen vergleichbar sind.

Die für die Ausstellung ausgewählten Steinmetzwerkzeuge stammen Großteils aus dem 19. Jahrhundert, entsprechen jedoch aufgrund von Vergleichen mit gotischen Darstellungen den mittelalterlichen Vorbildern.

Die auf uns gekommenen Werkstückoberflächen und überlieferte Werkzeugformen geben einen Einblick in die technische Entwicklung und den Gestaltungswillen der mittelalterlichen Steinmetze. Die Bearbeitung des Rohblocks zum fertigen Quader unterliegt einem technischen Wandel, welcher an den Bearbeitungsspuren ablesbar wird, woraus letztlich resultiert, daß die historische Oberflächenbearbeitung mit zum künstlerischen Ausdruck der Steinmetzarbeit gehört.

Bearbeitung von Werkstein im Mittelalter

Steinmetzwerkzeuge: Typentafel der Werkzeugspuren

Gotikausstellung 2002: Typentafel der mittelalterlichen Steinbearbeitung und Werkzeugspuren nach Benno Ulm und Karl Friederich.

Bevorzugte Herstellungstechnik der Romanik war zunächst die grobe Abarbeitung mit den schweren Formen des Zweispitzes oder der Spitzfläche. Ab dem 12. Jahrhundert kommt es zu einer Verfeinerung der Oberflächenbearbeitung und zur bewußten Anordnung der Hiebführung (Musterung), wozu im 13. Jahrhundert gezahnte Werkzeuge (Zahneisen, Zahnfläche) entstehen, welche stark strukturierte Oberflächen ermöglichen. Die Steinmetzen der Gotik bedienten sich der gleichen Werkzeuge, welche jedoch im Sinne einer immer feiner werdenden Oberflächengestaltung leichter und schmäler konstruiert sind. Mehrfache Überarbeitung der Werkstücke bis zur kaum mehr wahrnehmbaren Oberflächentextur sind charakteristisch für das 15. Jahrhundert. Ab der Mitte des 15. Jahrhunderts breitet sich von Frankreich her ein neuer Werkzeugtyp aus - das Scharriereisen. Es ist ein überbreites Flachmeißel, das ein rasches und vor allem genaues Arbeiten ermöglicht. In der Renaissance greift man wieder auf alte Oberflächenformen zurück: Neben feinst gearbeiteten glatten Flächen werden bewußt gepickte oder gekörnte Oberflächen gestellt, die Werkzeugspur des Scharriereisens wird überbetont und als Ausdrucksmittel eingesetzt.

Lit.: Friederich, 1932. Walter Hildebrand, Bauen im Mittelalter, Ausstellung 1986, Kartause Gaming, Gaming 1986, S 7 - 8. Ulm, Mittelalterliche Steinbearbeitung. In: Ulm- Kleinhans- Prokisch 1983, S. 114 - 120.

Baubetrieb in zeitgenössischen Darstellungen

Im Spätmittelalter werden Szenen aus Heiligenlegenden häufig mit Darstellungen des mittelalterlichen Baubetriebs ausgeschmückt. Man darf annehmen, daß sie den jeweiligen Stand der technischen Entwicklung widerspiegeln, allerdings in oft stark vereinfachter und zuweilen mißverstandener Form. In vielen Fällen dienen Werkzeuge als Attribut der Dargestellten.

Lit.: Binding - Nußbaum 1978. Binding 1983. Conrad 1998.

Relief mit Darstellung aus der Barbaralegende
Relief mit Szene aus der Barbaralegende, um 1510/20. Um 1510/20, 72 x 51 cm, Linz, Schloßmuseum, Inv. Nr. S 80 (?)

Die Szene zeigt den Turmbau dieser Heiligenlegende. Im Vordergrund zieht ein Geselle mit einem einfachen Auslegerkran Steine hoch. Rechts neben ihm bespricht die Hl. Barbara offensichtlich mit einem Steinmetz oder dem Werkmeister Probleme des Turmbaus. Der Steinmetz ist durch Kleidung und Mütze gekennzeichnet, er trägt einem Attribut gleich eine Doppelfläche (Steinhacke). Im Hintergrund arbeiten drei Steinmetzgesellen oder Versetzer an der Turmkrone. Sie stehen auf einem ungesicherten Auslegergerüst, das als einfache Plattform auf Konsolen oder eingemauerten Riegelbalken aufliegt. Solche Gerüstbalken haben meist viereckigen, seltener runden Querschnitt und werden mit dem Bau etagenweise mitgemauert. Nach Beendigung des Gebäudes werden die Balkenköpfe abgeschnitten, das Holz verrottet mit der Zeit und zurück bleiben die häufig bei Wehrbauten noch sichtbaren Rüstlöcher, welche sich von Balkenlöchern für Zwischendecken oder Wehrplattformen durch die geringeren Abmessungen (durchschnittlich 10 x 10 cm) unterscheiden.

Relief mit Darstellung aus der Wolfgangslegende
Relief mit Darstellung aus der Wolfgangslegende, um 1510, um 1510, 72 x 51 cm, Linz, Schloßmuseum, Inv. Nr. S 13 (?)

Gezeigt wird die Legende, nach welcher der Teufel beim Bau der Kirche mithelfen muß. Der Heilige vermauert mit einer Kelle Quader, die ihm ein Teufel zureicht. Im Hintergrund paßt ein Maurer einen Stein mit dem Maurerhammer zu, während sein Kollege mit der Kelle arbeitet. Ein kleinerer Teufel transportiert Steine mit einer einfachen Schiebekarre und in der rechten unteren Ecke rührt ein Gehilfe Mörtel in der aus Planken gezimmerten Mischgrube an. Das Bild gibt trotz seiner summarischen Darstellung der Tätigkeiten gut das bis ins Spätmittelalter übliche abschnittsweise Errichten eines Kirchengebäudes wieder. So ist zu erkennen, daß etwa Teile der Kirchenfassade schon höher gezogen sind, als die lagenweise aufgemauerten Längswände.

Bauaufnahme als Methode der Bauforschung

Gotikausstellung 2002: Schautafel mit Ausschnitt aus der Bauaufnahme
(Wandabwicklung) der Pfarrkirche von Ottensheim durch B. und W. Prokisch.

Neben der kunsthistorischen Stilanalyse und der historischen Urkundenforschung gehört die Bauaufnahme zu den wichtigsten Methoden der Baugeschichtsforschung. Erst durch die kritische Auseinandersetzung mit allen drei Forschungsdisziplinen ist es möglich, eine dem Objekt adäquate Baugeschichte zu schreiben. Die sorgfältige steingerechte Bauaufnahme ermöglicht außerdem die Beobachtung wichtiger bautechnischer Details und die Dokumentation der Steinmetzzeichen. Lagemäßig kartiert und statistisch analysiert können über das örtliche Baugeschehen hinausgehende Rückschlüsse über die mittelalterlichen Baugepflogenheiten gewonnen werden. Aus der Zahl der Steinmetzzeichen kann auf die Größe des Bautrupps geschlossen werden, die Verteilung der Zeichen gibt Auskunft über den zeitlichen Baufortschritt und das variierende Zusammentreffen von Zeichengruppen erlaubt Rückschlüsse auf die jeweilige Zusammensetzung der Bautrupps. Fallweise können einzelne Steinmetze aufgrund ihres Zeichens regional an anderen Bauten wiedergefunden werden, woraus sich neben der Lösung von Datierungsfragen auch Einblicke in die Mobilität der Mitglieder einer Bauhütte ergeben können. Leider gelingt es meist nicht, ein Steinmetzzeichen mit einer bestimmten Persönlichkeit in Einklang zu bringen.

Lit.: Friederich 1932, S. 13 - 25.

Lagemäßige Kartierung der Steinmetzzeichen
an der Pfarrkirche von Ottensheim

Quantitative Auswertung wiederkehrender Steinmetzzeichen
an der Pfarrkirche von Ottensheim

Die von Bernhard und Wolfgang Prokisch aufgenommene und kartierte Außenabwicklung vermittelt einen guten Eindruck der Verteilung der Steinmetzzeichen an den Hausteinteilen. Deutlich ist die Häufung der Zeichen an den aufwendigeren Formsteinen der Fensterlaibungen zu erkennen, während die Zeichen an den Strebepfeilern wesentlich dünner gesät sind. Auch die Problematik der Identität einzelner Zeichen wird deutlich, da viele Zeichen gedreht oder gespiegelt erscheinen. Hinzuzufügen wäre, daß durch Abwitterung und Abarbeitung späterer Restaurierungen bei vielen Bauten nur mehr ein geringer Teil an Zeichen lesbar bzw. vorhanden ist. Eine Auswertung der Zeichen ergibt daher stets lediglich einen statistischen Näherungswert.

Aus der Aufstellung geht hervor, daß 19 verschiedene Steinmetze am Bau tätig waren, davon aber nur fünf am Langhaus. Insgesamt wurden 261mal Werkstücke gekennzeichnet, wodurch sich die Analyse als repräsentativ erweist.

Lit.: Prokisch 1983 und 1986.

Zusammenhang zwischen Verteilung der Zeichen am Bau und dem Baufortschritt

Ottensheim, Pfarrkirche, Verteilung der Steinmetzzeichen nach Bauabschnitten
(Bauaufnahme B. und W. Prokisch)
Das Diagramm zeigt auf der horizontalen Achse die Steinmetzen anhand ihrer Zeichen und vertikal von unten nach oben den Baufortschritt zwischen 1466 und bis nach 1478. Zunächst fällt der Meister oder Parlier auf (Zeichen 1), der während der gesamten Bauzeit tätig ist. Die nächsten sechs Mitarbeiter repräsentieren die sich einander ablösenden längerfristigen Werkleute, gefolgt von den bloß kurzfristig nachzuweisenden Gesellen. Daraus ergibt sich eine "Stamm-Mannschaft" von ungefähr vier Steinmetzen, die fallweise durch "Wandergesellen" ergänzt werden. Das Bild stimmt gut mit Beobachtungen an anderen Landkirchen überein. Selbst bei Großbaustellen, wie etwa dem Südturm von St. Stephan in Wien, waren zeitweise nur sieben bis zehn Steinmetzen beschäftigt.


Kirchenbaukunst der Gotik in Oberösterreich

Bauhütten und Bauorganisation - Wolfgang Tenk, ein Baumeister der Spätgotik in Steyr

Epitaph des Baumeisters von Steyr, Wolfgang Tenk

Epitaph des Baumeisters von Steyr, Wolfgang Tenk, Abguß, H 2, 4 m, B 1,14 m, Roter, weiß geäderter Marmor, Steyr, Stadtpfarrkirche, südliches Seitenschiff

Das früher an der nördlichen Außenwand der Stadtpfarrkirche rechts neben der Vorhalle angebrachte Grabdenkmal nennt den am 20. September 1513 verstorbenen Wolfgang Tenk, der von 1483 bis zu seinem Tode als Werkmeister der Kirche tätig war. Tenk war schon vor 1480 Mitglied der Admonter Steinmetzbruderschaft, der er schließlich auch vorstand. Die in gotischer Minuskel ausgeführte Grabinschrift lautet:

Hie leit begraben der erbar Maister Wolfgang / tenc schtainmez der paumaister ist gebesen / hie pei diser ckirichen dem got genadig sei / der gestorben ist an erchtag nach des heilige(n) / ckreiz tag erhebum Anno domini 1 . 5 . 13 .

Über der Inschrift befindet sich im Zentrum der gekreuzigte Christus, umgeben von Blattornamenten, in welchen die Brustbilder der Quattuor Coronati (Vier Gekrönten) erscheinen. Sie waren der Legende nach vier christliche Steinmetzen (Claudius, Nicostratus, Simpronianus und Castorius), die unter dem römischen Kaiser Diokletian den Märtyrertod fanden. Am Grabstein werden die vier Heiligen mit typischen Werkzeugen des Steinmetzhandwerks wiedergegeben. Links oben ist der Anreißvorgang mit dem Stechzirkel dargestellt, rechts oben die Bearbeitung mit einem beidhändig geführten Doppelspitz, links unten die Tätigkeit mit Klüpfel und Scharriereisen, das führende gotische Steinmetz-Werkzeug für die Flächenbearbeitung. Rechts unten wird das Anzeichnen mit der Reißnadel gezeigt. Die Quattuor Coronati repräsentieren somit in jeweils diagonal angeordneten Paaren die Tätigkeiten des Meisters: Konstruieren und Bearbeiten der Werkstücke nach den Regeln der Steinmetzkunst

Zu Füßen des Gekreuzigten kniet der Verstorbene, dessen Gesichtszüge Portraitcharakter haben. Die Bekleidung mit Schaube und Birett kann als Repräsentationstracht der Wende vom 15. zum 16. Jh. nachgewiesen werden. Das vom Verstorbenen ausgehende, das Kreuz Christi umschlingende Schriftband trägt die Devise "amor meus crucifixus est". Unter dem Kreuzesstamm ist Wolfgang Tenks Wappen (Meisterzeichen) angebracht, das auch 1480 im Admonter Hüttenbuch aufscheint. Rechts neben dem Kreuz steht ein Schildhalter mit Kittel und Schurz, wohl ein Steinmetz. Der Wappenschild zeigt einen gerüsteten rechten Arm mit einer Doppelfläche (Steinhacke).

Ähnliche Wappen sind im Buch der Admonter Steinmetzbruderschaft (1480) sowie für die Wiener Bauhütte (1651) überliefert.

Siegel der Steinmetzen von Wien (bezeichnet 1651)


DER * PVRGERLICHEN * STEINMEZEN * VNNDT * MAVRER* SIGILL* DER HAVPTHITTEN * PEV * S •. STEFFAN : IN • WIEN *

S [igillum] • FRATERNITA [tis] •  LAPIG [! recte C]IDARVM • VIENENSIV [m] • AVSTRIAE •
( = "Siegel der Bruderschaft der Wiener Steinmetzen in Österreich")


Über die Lebensdaten Wolfgang Tenks wurden zahlreiche zum Teil unhaltbare Vermutungen angestellt. Weder seine Herkunft aus Wiener Neustadt noch aus Braunau ist gesichert. Behauptungen, Tenk wäre in Blaubeuren und an der Pfarrkirche von Perchtoldsdorf durch sein Steinmetzzeichen nachweisbar, sind falsch. Konkretes erfahren wir von Tenk erst 1475, wo "Meister Wolfgang der Steinmetz" im Überschlag der Stiftsauslagen von Admont für "Sold, Speis und Notturfft" einen täglichen Bezug von 16 Pfennigen erhält und finanziell dem Stiftszimmermeister gleichgestellt wird. Im Admonter Hüttenbuch erscheint Tenk bereits mit Wappen und Zeichen als Hüttenmeister an vornehmster Stelle.

Lit.: Gerhard Jaritz. in: Tausend Jahre Oberösterreich. Das Werden eines Landes, Katalogteil, Linz 1983, 183f., Koch 1993, S. 47ff. Rainer F. Schramml, Katalog der Grabdenkmäler, ebenda, 221f.


Kirchenbaukunst der Gotik in Oberösterreich

Gotische Portaltypen in Oberösterreich

Zu den hervorragenden Leistungen oberösterreichischer Steinmetzkunst gehören die Kirchenportale, an denen sich insbesondere in der Spätgotik des 15. und frühen 16. Jahrhunderts die Steinmetzen in ornamentaler Virtuosität verwirklichen konnten. Grundformen der gotischen Portalöffnung sind der einfache gerade Sturz, der Spitzbogen oder der Schulterbogen. Die Gewände werden durch den Wechsel von Rund- und Birnstabprofilen plastisch durchgebildet, die aus den reich gestalteten Sockelbasen entweder unter Einschub einer Kapitellreihe oder direkt ohne Zäsur in die Archivolten übergehen. Zur Bereicherung können vegetabile Ornamentflächen oder übergreifende, mit Krabben und Kreuzblumen besetzte Bögen den Portalabschluß rahmend zieren.

Der Reiz und die Ausdruckskraft der Portalgestaltungen liegt in der vielfältigen Kombination der Grundmotive: des Spitzbogens, des Schulterbogens, in der Spätphase der Gotik auch in der Verwendung des dynamisch nach oben schwingenden Kielbogens und schließlich des bereits renaissancehaft in sich ruhenden Rundbogens. Charakteristisch für die Spätgotik sind weiters die Verschränkungen der Profile und das Übergreifen der plastischen Laibungsformen auf die umliegende Wand, sodaß ein breiter, aus Stabwerk gebildeter Portalrahmen entsteht.

Bemerkenswert sind die Figurenportale, die sich sowohl an prominenter Stelle am Außenbau finden, als auch zur bedeutungsmäßigen Aufwertung im Inneren dienen, wie in Mondsee und der davon abhängigen Wallfahrtskirche in St. Wolfgang. Dabei ist etwa in Steyr zu beachten, daß ältere Figurenprogramme in neuem Zusammenhang in eine sehr viel jüngere Portalarchitektur eingestellt wurden. Nicht zuletzt wäre auf die Vorhallenportale hinzuweisen, wobei sich die aus der Tradition der Wiener Bauhütte erklärbare Steyrer Nordvorhalle essentiell von der oberösterreichisch-bayrischen Gepflogenheit, die Vorhalle als Teil einer erweiterten Strebepfeilerarchitektur zu entwickeln, unterscheidet.

Figurierte Vorhallen und Doppelportale

Steyr, Stadtpfarrkirche, Nordportal
Steyr, Stadtpfarrkirche, Vorhalle und Nordportal
Die über fünfseitigem Grundriß unter Wolfgang Tenk errichtete Nordvorhalle der Steyrer Stadtpfarrkirche birgt ein Doppelportal, das mit seinen Tympana von 1526 und den Nischenfiguren (um 1390), die allerdings sekundär eingebunden sind, eines der reichst ausgestatteten Figurenportalen Oberösterreichs repräsentiert. Zum Stil der ausgehenden Gotik gehören auch die Schlingrippengewölbe mit Maßwerknasen. Im Obergeschoß des Portals befindet sich ein kapellenartiger Raum.

Der Portaltypus geht zweifellos auf die Hans Puchspaum (neuerdings von Hans Böker wenig überzeugend Laurenz Spenning) zugeschriebene Singertorvorhalle zurück. Unmittelbar zeitlicher Vorläufer ist die um 1515 zu datierende Nordvorhalle des Bischofstores von St. Stephan in Wien, die zusammen mit der einfacher gestalteten Südvorhalle der Pfarrkirche von Brunn am Gebirge in Niederösterreich (um 1519) belegt, daß der um die Mitte des 15. Jahrhunderts in Wien eingeführte Typus der Singertorvorhalle für die Schlüsselbauten der Wiener Bauhütte noch im 16. Jahrhundert als programmatisch angesehen wurde.

Die Unterschiede zur Architektur der Wiener Bauhütte, von der sich die Steyrer Bauhütte bereits in den 70-er Jahren durch eigenständige Gewölbeformationen emanzipiert hatte, kommen an der Steyrer Vorhalle vor allem in den dekorativen Elementen und in der Dynamisierung der Profile und Gewölbe zum Ausdruck.

Lit. Brucher 1990, S. 190, Koch 1993, S. 52f.

Eferding, Stadtpfarrkirche, Südportal


Eferding, Stadtpfarrkirche, Südportal
Das Doppelportal gehört zu den Spitzenleistungen der Oberösterreichischen Steinmetzkunst und erstreckt sich über die gesamte Höhe der Fassade. Zuunterst öffnen sich zwei Schulterbogenportale, deren Stabwerkprofile sich im Fenstergeschoß fortsetzen. Dieses Doppelfenster wird von zwei Kielbögen mit flankierenden Fialen bekrönt, wobei diese einem Maßwerkpaneel vorgeblendet sind. Zu beiden Seiten der Fenstergruppe befinden sich die Baldachinfiguren der Heiligen Hippolyt und Ägidius, welche die etwas tiefer situierte Madonna mit Kind flankieren. Zu ihren Füßen kniet der Stifter in Ewiger Anbetung. Das Portal trägt die Jahreszahlen 1468 und 1471, das Stifterwappen der Schaunberger ist mit 1497 inschriftlich datiert.

Die Grundsteinlegung des Langhauses führte 1466 Jörg Windisch, Dombaumeister zu Passau, aus, der jedoch unmittelbar danach verstarb. Die Fortführung des Langhausbaus und damit den Bau des Südportals übernahm dessen Parlier Bernhard Reckendorfer. Merkmale des Portals, wie die Kombination von Kielbogen und Paneelwerk, finden sich in ähnlicher Form am Südquerhaus des Passauer Domes, welches um 1450 von Jörg Windisch übernommen wurde, wieder.

Lit.: Ulm 1982. Brucher 1990, S. 162f.

Stabwerkportale

St. Georgen im Attergau, Pfarrkirche, Südportal

St. Georgen im Attergau, Pfarrkirche, Südportal
Das Südportal und die zwischen Zungenmauern eingezogene, vorne offene Vorhalle entstanden vor 1469 (Weihe des Langhauses) und stellen einen frühen Vertreter jenes Typus dar, bei dem ein Schulterbogenportal mit einem breiten Rechteckrahmen aus überkreuzten Stäben umgeben wird. Der Typus fand vermutlich von hier aus seine weitere Verbreitung bis nach Niederösterreich, wo er im 16. Jahrhundert im Sinne der "Barockgotik" abgewandelt wurde. Der Portaltypus kann als eine Eigenheit der Attergauer Bauhütte angesehen werden, die fälschlicherweise in der älteren Forschung mit dem Steinmetzgesellen Stephan Wultinger aus Vöcklamarkt in Verbindung gebracht wurde.

Lit.: Ulm 1973. Brucher 1990, S. 224.

Puchenau, Pfarrkirche, Südportal

Puchenau, Pfarrkirche, Südportal
Das eher schlichte Portal entstand 1519, wie der unvermittelt in die Wandfläche reichende Gewändestein mit der Jahreszahl vermuten läßt. Der Konzeption liegt eigentlich ein Schulterbogenportal zugrunde, das jedoch durch freie Dynamisierung des Sturzes zum Vorhangbo-gen umgeformt wurde. Der Sturz wurde durch Einfügen eines "Schlußsteines" ornamental betont.

Stilistische Eigenheiten und ein eingeschlagenes Steinmetzzeichen haben ihre Entsprechung an der Tür zur Doppelwendeltreppe (bezeichnet 1509) in der Stadtpfarrkirche Eferding. Das Motiv des Vorhangbogens findet sich am Fenster der Sakristei der Pfarrkirche in Rainbach (bezeichnet 1506) wieder. Von Benno Ulm wurden Bezüge zur Greinburg angesprochen, sodaß von einem charakteristischen Motiv der lokalen Bauhütte gesprochen werden kann.

Lit.: Ulm1976, S. 166. Ulm 1988, S. 265f

Rundbogen- und Kielbogenportale

Bad Zell (bei Zellhof), Pfarrkirche, Südtor

Bad Zell bei Zellhof, Pfarrkirche,Südportal
Das um 1520 entstandene Portal ist primär aus dem Motiv des Rundbogens gebildet, der sowohl die Portalöffnung, als auch die übergreifende Verstäbung bestimmt. Die Kombination mit dem weitaus mehr der Gotik entstammenden Schulterbogenmotiv reduziert sich auf ein schlichtes Profil des inneren Gewändes. Die breit gelagerten Proportionen künden bereits renaissancehafte Ausgewogenheit an. Das in der gotischen Portalarchitektur eher seltene Rundbogenmotiv wurde in Österreich erstmals schon 1465 am Südportal der Kirche von St. Peter an der Sperr in Wiener Neustadt von Peter Pusika verwirklicht, fand aber erst in der ausgehenden Gotik größere Verbreitung.

Lit.: Ulm 1976, S. 239. Ulm 1988, S. 265, Brucher 1990, S. 227.

Mondsee, ehemalige Stiftskirche, Sakristeiportal


Mondsee, ehem. Stiftskirche, Sakristeiportal
Das 1488 errichtete Portal ist aus dem Spitzbogen konstruiert, der jedoch von einem über Konsolen vorkragenden Kielbogen mit abschließender Kreuzblume bekrönt wird. Dieser Bogen wird - ohne Anbindung an die Portalarchitektur - von sechs Figurenbaldachinen flankiert. Lediglich die siebente Figur ist mit der Kreuzblume durch eine Konsole verbunden. Das sturzlose Tympanon schließt in einer gemischtlinigen Maßwerkform und zeigt sich heute ohne Zier. Diesem Portal ging ein ähnliches in der Wallfahrtskirche von St. Wolfgang voran. Die reiche Ausstattung des Mondseer Sakristeiportals - in St. Wolfgang führt das Portal in den Turm - gegenüber den wesentlich schlichteren Kirchenportalen (St. Wolfgang) läßt sich aus den Besonderheiten der Architektur der sogenannten "Melker Reform" erklären, welcher sich Mondsee anschloß.

Lit.: Ulm 1981. Wagner-Rieger 1988, S. 200. Brucher 1990, S. 164.


Kirchenbaukunst der Gotik in Oberösterreich

Fenstermaßwerke

Gotische Fenstermaßwerke gehören zur ungegenständlichen geometrischen Bauornamentik und sind insbesondere im 15. und frühen 16. Jahrhundert Gegenstand virtuoser Steinmetzkunst. Leider wurden viele Maßwerke zur Barockzeit entfernt oder abgemauert. Große Substanzverluste sind auch der Abwitterung zuzuschreiben. Erst mit dem Aufkommen des Historismus und der Neugotik gewinnt das Fenstermaßwerk erneut an Bedeutung. In dieser Zeit werden häufig Maßwerke wieder freigelegt, restauriert oder großzügig ergänzt, sodaß aus heutiger Sicht ohne eingehende Untersuchung vom Gerüst aus nicht immer entschieden werden kann, wieviel an Altsubstanz vorhanden ist und ob ein Maßwerk eine getreue Kopie des gotischen Originals oder eine historisierende Neuschöpfung ist.

Lit.: Günther Bindung, Das Maßwerk, Darmstadt 1989.

Enns, Wallseerkapelle, Nordfassade
Enns, Wallseerkapelle, Fenstermaßwerk, 14. Jahrhundert

Dreibahniges Maßwerkfenster. Das Couronnement (spitzbogiger Fensterabschluß) zeigt drei streng vertikal ausgerichtete und in Kreisen eingeschriebene stehende Vierpässe. Sämtliche Maßwerkformen beruhen auf dem Kreis. Für den Quaderbau des 14. Jahrhunderts charakteristisch ist der sorgfältig ausgearbeitete schmale Rücken der Bogensteine der Fensterlaibungen.

St. Georgen im Attergau, Pfarrkirche, südliche Langhauswand
St. Georgen i. Attergau, Pfarrkirche, Fenstermaßwerk, Ende 15. Jahrhundert
Dreibahniges Maßwerkfenster. Die Fensterbahnen enden in stark genasten Dreiblättern. Den Großteil des Couronnements bilden zwei gegenständige dreiblättrige Falchions, typisch spätgotische asymmetrische Maßwerkformen. Im Gegensatz zur Quaderarchitektur des 14. Jahrhunderts (Enns, Wallseerkapelle) greifen die Bogenrücken unregelmäßig in das verputzte Mauerwerk ein. Die Fenstergewände sind glatt ausgeführt, nur die spitzbogige Laibung ist mit einer tiefen schattenden Kehle betont.

Vöcklamarkt, Pfarrkirche, südliche Langhauswand


Vöcklamarkt, Pfarrkirche, Fenstermaßwerk, vor 1512
Dreibahniges Maßwerkfenster. Die Fensterbahnen schließen rundbogig mit stark genasten Dreipässen. Das Couronnement ist bis auf einen zentralen stehenden Vierpaß zur Gänze aus stark geschwungenen Fischblasen (Schneusen) gebildet, die symmetrisch übereinander gestapelt sind. Die beiden obersten Fischblasen bilden eine dreiblättrige Lilie. Das Maßwerk beruht auf den Gestaltungsprinzipien der Flamboyantgotik und geht durch seine dynamisierenden Einzelformen über die Fenstermaßwerke von St. Georgen hinaus. Der Aufbau aus nahezu einer Maßwerkfigur (Fischblase) und deren additive Wiederholung erweisen sich als charakteristisch für die Endgotik. Der gute Erhaltungszustand läßt auf eine starke Restaurierung schließen.



© DRK, Wien 2002, 2005, 2020



Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Bearbeitung von Werkstein im Mittelalter